Jetzt war es an der Zeit, sich an den Bau des Ballons heranzumachen.

Zuerst brauchten wir Stoff, das war aber kein Problem, denn wir waren ja nicht wählerisch und verwendeten einen Futterstoff für Lederwaren, den wir in ausreichender Menge bekommen konnten. Auch das Nähgarn war für die Lederverarbeitung gedacht und damit ausreichend fest.

Da wir beide keine Ahnung hatten, was beim Bau eines Ballons zu beachten ist, waren unsere nächsten Schritte recht unprofessionell.
Da wir nicht wussten wie groß der Ballon sein muss, haben wir aufgrund der Bilder die wir gesehen haben die Größe einfach geschätzt, diese betrug letztendlich ca. 1800 m³.

Als nächstes ging es um den Schnitt der einzelnen Bahnen, denn der Ballon sollte ja von der Seitenansicht rund sein. Mir war sofort klar, dass es viel zu aufwändig würde, jede Bahn rund zu schneiden. Ich habe mich deshalb für eine andere Variante entschlossen, die auch erfolgreich war und die wir dann auch bei den folgenden Ballons anwendeten. Dazu mussten die Bahnen einfach nur wechselseitig schräg abgeschnitten werden, was die folgende Skizze auch zeigt:

Ballon Schnittmuster

Auf diese Weise war der Verschnitt sehr gering und wir konnten den Vorrat voll ausnutzen. Im nächsten Schritt wurden die Bahnen entsprechend zusammengesetzt:

Ballon Schnittmuster

Jetzt mussten die einzelnen Bahnen nur noch richtig zusammengesetzt und vernäht werden und die Form des Ballons hat sich ergeben. Theoretisch war der Ballon von der Seite gesehen zwar nicht rund, da sich der Stoff aber verzogen hat kam die typische Form eines Ballons heraus.

Ballon Schnittmuster

Da der Plan fertig war, konnte ich mich jetzt an die Nähmaschine setzen und nähen. Ich habe die alte “GRITZNER” meiner Schwiegermutter verwendet, die war zwar schon recht alt, aber sehr belastbar. Das musste sie auch sein, denn ich habe eine Doppelfalznaht verwendet und diese mit dem Garn für Leder vernäht, dadurch war die Belastung für die Maschine schon recht groß.

Das nächste Bild zeigt einen Bekannten, der aus dem Westen zu Besuch war, ihm haben wir den Ballon gezeigt und über unser Vorhaben informiert. Dafür gab es auch einen Grund.

Wir waren uns zwar relativ sicher, dass uns die Stasi nicht erwischt, konnten es aber auch nicht ausschließen. Es kann sich bestimmt jeder der in der DDR gelebt hat vorstellen, was dann passiert wäre. Man hätte uns eingesperrt und kein Mensch aus unserem Umfeld hätte erfahren was mit uns passiert ist. Wir haben deshalb dieses Bild und auch die Informationen unserem Bekannten übergeben, der im Falle unseres Verschwindens die Öffentlichkeit im Westen informiert hätte.


Außerdem brauchten wir einen Brenner, aber auch davon hatten wir keine Ahnung. Mir war klar, dass es ein Brenner sein muss, der mit Propangas arbeitet. Ich habe deshalb zunächst einfach ein Ofenrohr mit ca. 12 cm Durchmesser genommen, dieses an den Anschluss einer Gasflasche gehalten, diese aufgedreht und ein Streichholz darangehalten. Es hat funktioniert, die Flamme hat sauber gebrannt und man konnte die Größe der Flamme mit dem Flaschenventil sauber regeln.

Daraufhin haben wir dann einen Brenner gebaut, der nach diesem Prinzip gearbeitet hat. Diesen haben wir dann natürlich richtig mit einem Schlauch angeschlossen, mit einem eigenen Ventil versehen und mit richtigen “selbstgebauten” Düsen versehen. Das was aus diesem Brenner herauskam war nicht einfach nur eine Flamme, das war ein Höllenfeuer und die 11 kg Gas waren in kurzer Zeit alle.


Jetzt brauchten wir aber noch etwas um auch mitfahren zu können. Die “richtigen Ballonfahrer” verwenden dazu einen geflochtenen Korb. Den hatten wir nicht und es war uns auch nicht möglich einen solchen zu bauen.

Wir haben uns deshalb für eine andere Variante entschlossen. aus 40’er Winkeleisen haben wir einen Rahmen in der Größe 1,4 x 1,4 m zusammengeschweißt. In diesen Rahmen haben wir ein kunststoffbeschichtetes Blech mit einer Dicke von 0,8 mm geschraubt. An den Ecken haben wir dann Flacheisen befestigt, an denen oben Haken angeschweißt waren um daran die Seile des Ballons zu befestigen.
Um von dieser Plattform oder Gondel wie wir das Ding auch genannt haben nicht herunterzufallen haben wir in diese Flacheisen noch Löcher gebohrt und darin 5 Wäscheleinen befestigt, die als “Geländer” gedient haben.

Wir waren uns zwar relativ sicher, dass uns die Stasi nicht erwischt, konnten es aber auch nicht ausschließen. Es kann sich bestimmt jeder der in der DDR gelebt hat vorstellen, was dann passiert wäre. Man hätte uns eingesperrt und kein Mensch aus unserem Umfeld hätte erfahren was mit uns passiert ist. Wir haben deshalb dieses Bild und auch die Informationen unserem Bekannten übergeben, der im Falle unseres Verschwindens die Öffentlichkeit im Westen informiert hätte.

Nach der Fertigstellung dieser wichtigen Komponenten wollten wir unseren Ballon natürlich testen. Dazu fuhren wir am 28. April 1978 nach Mitternacht auf eine Waldlichtung in der Nähe von Ziegenrück, die wir zuvor erkundet hatten und versuchten dort unseren Ballon mit heißer Luft zu füllen.

Wie wir es mittlerweile im Fernseher gesehen hatten, wollten wir das ohne Gebläse tun. Unsere Frauen haben dazu die Öffnung des Ballons hochgehalten, so dass wir mit der Flamme die Luft im vorderen Bereich des Ballons erwärmen konnten. Durch absenken und anheben des Stoffes sollte so die Luft nach hinten strömen, was aber leider nicht geschah. Nach mehreren erfolglosen Versuchen haben wir diese Vorgehensweise aufgegeben.

Dann kam uns die Idee, den Ballon aufzuhängen und einfach von unten mit heißer Luft zu füllen.

Wir wussten, dass sich in der Nähe der Lichtung, in der wir unsere ersten Versuche durchführten, eine Eisenbahnbrücke befand. Das war eine Brücke, die aus Stahlträgern bestand, und wir sind davon ausgegangen, dass man da leicht hinaufklettern kann um den Ballon dort hochzuziehen. Wir sind dann, wie schon gewohnt nachts, zu dieser Brücke gefahren. Jetzt mussten wir feststellen, dass wir erst noch ein Gewässer überqueren müssten und dass wir sehr nahe an Ziegenrück waren und haben deshalb den Versuch abgebrochen.

Uns war mittlerweile schon klar, dass das Problem die Luftdurchlässigkeit des Stoffes war, den wir benutzt haben. Deshalb haben wir im nächsten Schritt versucht den Ballon zu imprägnieren, um den Luftverlust durch den viel zu durchlässigen Stoff zu verringern. Es gelang uns mit viel Aufwand den oberen Teil des Ballons mit Imprägniermittel zu tränken, aber wir waren mit dieser Lösung nicht allzu glücklich. Der Ballon wurde immer schwerer, der Stoff verklebte und es war klar, dass wir nicht den kompletten Ballon imprägnieren konnten.

Mit der teilimprägnierten Hülle wollten wir nun einen weiteren Versuch unternehmen. Wir blieben jetzt bei der Idee, den Ballon zum Füllen aufzuhängen. Als Testgelände hatten wir uns den Steinbruch in Döritz ausgewählt, den ich aus meiner Zeit als Kraftfahrer gut kannte.
Wir mussten nur die Ballonhülle an einer steilen Felswand hochziehen und konnten jetzt ganz einfach den Ballon mit dem Brenner füllen, dachten wir.
Es war eine mondhelle Nacht und die Voraussetzungen für unseren Versuch waren optimal. Leider ist auch aus diesem Versuch nichts geworden. Nachdem wir die Hülle ausgebreitet hatten, um sie an der Felswand hochzuziehen, hat Peter plötzlich einen Schatten gesehen und wir mussten befürchten, dass wir beobachtet werden.
In aller Eile haben wir den Ballon in den Anhänger geladen und sind davongefahren. Irgend etwas hat aber während der Fahrt mit unserem Anhänger nicht gepasst, deshalb haben wir nach einigen Kilometern angehalten um nachzuschauen. Unser Ballon hing mittlerweile ca. 5m aus dem Anhänger heraus und war im oberen Bereich völlig zerfetzt.

Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns eingestehen mussten, dass wir mit diesem Ballon nicht weiterkommen. Diesen hat Peter anschließend in seinem Heizkessel verbrannt, um ihn verschwinden zu lassen.

Da wir ursprünglich die Absicht hatten, in die damalige Tschechoslovakei zu fahren um von dort zu starten, hatte ich bereits im April beim Kraftverkehr Pößneck einen Mietwagen für Ende Mai reserviert. Dieses zweite Auto hätten wir benötigt, um alles transportieren zu können.

Im Gegensatz zu heute, war es damals nicht möglich einfach hinzugehen und ein Auto zu mieten, man musste dieses rechtzeitig reservieren was übrigens auch für Taxi’s galt.
So hatte ich dann die Gelegenheit, eine Woche sinnlos mit einem relativ neuen Moskwitsch 412 in der Gegend herumzufahren.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass ich die Absicht hatte, ein Taxiunternehmen zu gründen. Das wurde mit der Begründung abgelehnt, der bestehende Bedarf wird durch den Kraftverkehr Pößneck abgedeckt.

Wie es weitergeht wird im Kapitel “2. Ballon” beschrieben.