Die Idee zum Bau eines Heißluftballones

Da Peter Strelzyk und ich, Günter Wetzel Anfang 1978 zusammen gearbeitet haben, hatten wir auch häufig Gelegenheit miteinander zu reden. Wie viele DDR-Bürger hatten auch wir das Bestreben die DDR zu verlassen und das war dann auch häufig das Thema über das wir sprachen.

Das Leben in der DDR war für uns unbefriedigend, da es eine Reihe von Punkten gab die uns nicht gefielen, denn wir mussten in vielen Punkten Einschränkungen in Kauf nehmen.
Wesentliche Gründe waren, dass es nicht möglich war, öffentlich oder auch in kleinem Kreis seine Meinung zu äußern, da man nicht sicher sein konnte, ob nicht ein oder sogar mehrere Beteiligte Spitzel waren.
Außerdem war es nicht oder nur eingeschränkt möglich in ein anderes Land zu reisen, außer in einige Länder des Ostblocks.
Auch die Wahl des Berufes war eingeschränkt, insbesondere wenn man nicht linientreu war. Man konnte sich das Leben allerdings erleichtern, wenn man sich entsprechend engagiert hat und z.B. Mitglied der SED wurde oder gewissen Staatsorganen hilfreich zur Seite stand, aber das wollte ich auch nicht. Es gab natürlich auch noch viele andere Gründe, die ich hier nicht alle aufzählen kann, aber auch wirtschaftliche Interessen spielten dabei eine Rolle.

So wie viele Andere auch, haben wir immer wieder über das Thema die DDR zu verlassen gesprochen, aber keine Möglichkeit gesehen das zu schaffen, denn die Grenze erschien unüberwindbar.

Rein zufällig kam die Schwester meiner Frau Petra zu Besuch, die bereits 1958 die DDR verlassen hatte, und brachte uns eine Zeitschrift mit, in der über das jährliche Ballonfahrertreffen in Albuquerque berichtet wurde. Neben dem Bericht waren auch einige Bilder von Heißluftballons zu sehen und bei diesem Anblick ist mir die Idee gekommen, dass dies eine Möglichkeit wäre, so die Grenzanlagen zu überwinden.
Daraufhin habe ich sofort Peter Strelzyk von meiner Idee erzählt.
Für uns war von vornherein klar, wenn wir flüchten müssen alle mitkommen und das ist nur auf dem Luftweg möglich, denn wir waren 8 Personen, 4 Erwachsene und 4 Kinder.
An diesen entscheidenden Tag kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn es war der 7. März 1978, ein Tag vor dem internationalen Frauentag, der in der DDR aktiv gefeiert wurde.
Bereits am nächsten Tag, dem 8. März ist dann die Entscheidung gefallen, dass wir es auf diese Weise versuchen werden, die DDR zu verlassen.

Nachdem wir uns einig waren, dass wir es mit einem Heißluftballon versuchen wollen die DDR zu verlassen, mussten wir nur noch unsere Frauen über unser Vorhaben informieren und davon überzeugen, dass dies ein sicherer Weg ist.

Wir haben unsere Idee offenbar sehr überzeugend herübergebracht, denn meine Frau Petra und auch Doris, die Frau von Peter Strelzyk, waren damit einverstanden.