Das Missverständnis
Vor der Eröffnung des neuen Museums in Naila hatte ich nach längerer Zeit wieder einmal kurz mit Frank geb. Strelzyk kommuniziert. Daraufhin ist mir klar geworden, warum er über die Vorgeschichte zur Ballonflucht anderes erzählt als ich. Weil wir beide zur Eröffnung des Museums eingeladen waren, da unser Ballon dort ausgestellt wird, wollte ich versuchen, wieder ein vernünftiges Verhältnis zueinander herzustellen.
Die Idee und der Bau der Ballone waren ausschließlich meine Sache, Günter Wetzel.
Irmgard Seelmann, eine Westverwandte von Petra, meiner damaligen Ehefrau, hat mir Anfang März 1978 eine Zeitschrift aus dem Westen mitgebracht, in der war ein Bericht über das alljährliche Ballonfahrertreffen in Albuquerque, New Mexico. Das hat mich auf die Idee gebracht mit einem Heißluftballon zu fliehen.
Diese Idee habe ich Peter Strelzyk vorgeschlagen und auch er war der Meinung, dass das klappen könnte.
Jetzt mussten wir nur noch unsere Frauen davon überzeugen, die dann auch dieser Meinung waren.
Das Ganze war ein Gemeinschaftsprojekt, dass wir nur gemeinsam schaffen konnten, das betone ich immer wieder.
Ich hatte einige Ideen, habe alle drei Ballons konstruiert und gebaut. Meine handschriftlichen Berechnungsunterlagen liegen als Kopie in meiner StaSi-Akte als Kopien vor.
Peter hat sich um die Geldbeschaffung gekümmert und konnte gut autogen schweißen, was für die Herstellung der notwendigen Metallteile wichtig war. Wir haben natürlich auch sonst einige Arbeiten gemeinsam durchgeführt.
Allerdings hatten wir uns entschlossen, erst einmal alles bei uns im Haus zu machen, wir wollten nicht, dass die Söhne von Strelzyks mit 10 und 14 Jahren alles mitbekommen.
Bei uns war es einfacher, da Andreas mit einem Jahr und Peter mit 4 Jahren noch nichts verstanden haben.
Daraufhin sind bei uns die ersten zwei Ballone entstanden und die ersten Tests wurden durchgeführt.
Am 22.08.1978 kam es dann leider zu persönlichen Differenzen zwischen Peter Strelzyk und mir. Er hat mir mitgeteilt, dass er seiner Schwester, seinem Schwager und seinem Bruder von unserem Vorhaben erzählt hat. Das erschien mir sehr gefährlich für beide Seiten.
Außerdem bin ich zu der Meinung gekommen, dass dieser 2. Ballon für uns alle zu klein ist, ich bin bei der Berechnung von falschen Voraussetzungen ausgegangen.
Jetzt haben wir uns entschieden uns im Guten zu trennen. Peter war der Meinung, dass der Ballon für 4 Personen groß genug ist und hat sich entschlossen alleine weiterzumachen.
Wir haben jetzt alles zu Strelzyks ins Haus geschafft, in dem Glauben wir sind aus der Nummer raus, falls sie Strelzyks erwischen. Das war allerdings sehr blauäugig, es war allgemein bekannt, dass wir schon lange Zeit zusammengearbeitet hatten, außerdem stand mein Motorrad ohne Motor in meiner Garage, da wir diesen ins Gebläse eingebaut hatten.
Ab diesem Zeitpunkt hat Peter seinen Sohn Frank mit einbezogen, da ich nicht mehr zur Verfügung stand und hat seinen Söhnen vereinbarungsgemäß nicht erzählt, dass auch wir etwas mit dem Ballonprojekt zu tun hatten.
Ich war ab da wieder als Kraftfahrer tätig und habe nebenbei geplant mir ein Leichtflugzeug in der Art eines Ultraleichtflugzeuges zu bauen.
Nachdem Strelzyks Fluchtversuch gescheitert war, kam Peter wieder zu mir, ob ich noch einmal mitmachen würde, es war klar, dass er es alleine nicht schaffen würde, einen neuen Ballon zu bauen.
Mir ist mittlerweile bewusst geworden, dass das mit dem Flugzeug doch aufwändiger geworden wäre, als ich mir das gedacht hatte.
Der Ballon hatte funktioniert, er müsste nur groß genug sein.
Eines war uns beiden klar, wenn wir es schaffen wollen, dann nur gemeinsam.
Deshalb habe ich den Ballon neu berechnet und bin zu der Überzeugung gekommen, dass es machbar sein wird einen Ballon zu bauen, der groß genug für 8 Personen sein wird.
Das Wissen und die Erfahrungen mit den beiden vorhergehenden Ballons haben mir geholfen, jetzt einen Ballon zu konstruieren und zu bauen, der für uns alle 8 groß genug ist.
Es ist schade, dass Peter seinen Söhnen im Nachhinein offenbar nicht erklärt hat wie es wirklich war, so erzählen wir zwei unterschiedliche Geschichten, anstatt uns zu ergänzen.
Mir ist immer noch unklar, was Frank Strelzyk glaubt, wo der Ballon und der Gebläsemotor für den ersten Fluchtversuch herkamen und warum sein Vater nach dem missglückten Fluchtversuch zu mir kam, ob ich noch einmal mitmachen würde.
Ich hatte mich Ende 1979 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und ab Januar 1980 das gemacht, weshalb ich in den Westen gegangen bin. Ich habe mir ein neues Leben in Freiheit, ohne Bevormundung durch das System aufgebaut.
Diesen Weg bin ich bis 2009 gegangen, ohne mich mit der Ballonflucht zu befassen.
Erst 2009, nach mittlerweile ca. 30 Jahren, habe ich zurückgeblickt und festgestellt, dass in den Medien vieles falsch dargestellt wurde.
Aus diesem Grund habe ich meine Website, www.ballonflucht.de geschrieben, in der ich meinen Anteil an dieser Flucht beschrieben habe.
Peter Strelzyk hat nie auf meine Darstellung eine Reaktion gezeigt, ich bin mir sicher, wenn ich die Unwahrheit geschrieben hätte, dann hätte er mich darauf hingewiesen.
Günter Wetzel